Polens christliche Mission in Europa

Letzte Woche forderte der (ex-kommunistische) Präsident Polens die Aufnahme eines expliziten Bezuges auf das christliche Erbe Europas in die zukünftige Verfassung der EU. Andere haben diesen Wunsch nur hinter vorgehaltener Hand geäußert. José Casanova erklärt im Folgenden, warum Polen öffentlich die Vorreiterrolle übernommen hat.

Das Bindeglied zwischen Christentum und der europäischen Kultur zerbricht. Westeuropa ist immer weniger das Kernland christlicher Traditionen und umgekehrt präsentiert sich das Christentum in seiner lebendigsten Form immer weniger europäisch. Aber genau zu diesem Zeitpunkt ,,schließt`` sich das katholische Polen Europa wieder ,,an``.

In der Zeit als die westeuropäischen Gesellschaften einen Prozess der Säkularisierung - ja, eigentlich der ,,Ent-Christianisierung`` - durchmachten, erlebte der polnische Katholizismus einen außergewöhnlichen Aufschwung. Sämtliche Versuche des kommunistischen Regimes, die Verbindungen zwischen der katholischen Kirche und der polnischen Nation zu zerstören, schlugen fehl. Die von oben angeordnete Zwangssäkularisierung - die in der Sowjetunion einigermaßen erfolgreich war - scheiterte kläglich. Auch die Hoffnung, dass die wirtschaftliche Entwicklung denselben säkularisierenden Effekt wie im Westen haben könnte, erwies sich als falsch.

To continue reading, please log in or enter your email address.

To read this article from our archive, please log in or register now. After entering your email, you'll have access to two free articles from our archive every month. For unlimited access to Project Syndicate, subscribe now.

required

By proceeding, you agree to our Terms of Service and Privacy Policy, which describes the personal data we collect and how we use it.

Log in

http://prosyn.org/U5exZ2v/de;

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated cookie policy and privacy policy.