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Pingpong und politische Ökonomie

PRINCETON – In den vergangenen hundert Jahren hat sich die wirtschaftspolitische Debatte immer wieder um die jeweiligen Aufgaben und Vorzüge des Staates und des Marktes gedreht. Kontrolliert der Markt den Staat, in dem Sinne, dass er den Möglichkeiten der Regierungen Kredite aufzunehmen eine Grenze setzt? Oder übernimmt der Staat die Regie, wenn der Markt gesellschaftlich notwendige Aufgaben nicht erfüllt – wie etwa Kriege führen oder für Vollbeschäftigung sorgen?

Diese alte Debatte steht im Mittelpunkt der vollkommen unterschiedlichen Auffassungen, wie Europa auf seine Schuldenkrise regieren sollte. Die gleiche Frage spaltet die amerikanische Politik im Vorfeld der Präsidentschafts- und Kongresswahlen im kommenden November.

Während der zwei Jahrzehnte vor der Finanzkrise sind die meisten von uns – auch die meisten Politiker – von der Überlegenheit des Marktes ausgegangen. Inzwischen könnte das intellektuelle Pendel zu der Überzeugung zurückschwingen, dass staatliches Handeln den Schlamassel der Märkte beseitigen kann – so wie die Bewunderung für den Staat in den 1930er-Jahren die Anbetung des Marktes in den 1920er-Jahren ablöste.

Vor zwanzig Jahren haben besonnene europäische Politiker nach einem „dritten Weg“ gesucht und sich auf einen Zickzackkurs zwischen der Bedeutung von Marktmechanismen und dem Gewicht anderer sozialer Prioritäten begeben, entsprechend derer der Markt gelenkt werden müsste. Als etwa der Delors-Ausschuss in den Jahren 1988-1989 seinen Bericht ausarbeitete, wie in Europa eine Währungsunion errichtet werden könnte, haben Experten der Frage große Aufmerksamkeit gewidmet, ob der Druck des Marktes ausreichen würde, um die Staaten zu disziplinieren. Viele haben gewarnt, dass er nicht ausreichen würde – dass sich die Renditen der Staatsanleihen anfangs annähern könnten und es verschwenderischen Ländern ermöglicht würde, billiger Kredit aufzunehmen als sie es sonst könnten.