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Rückkauf oder Zukunftsperspektive?

LONDON – Als mich der britische Premierminister David Cameron bat, eine Untersuchung zum Problem der antimikrobiellen Resistenz durchzuführen, hätte ich nie erwartet, dass mich dieser Auftrag dazu bringen würde, eines der populärsten Werkzeuge der unternehmerischen Finanzplanung in Frage zu stellen: Aktienrückkäufe.

Das Problem der antimikrobiellen Resistenz ist sehr ernst. Wenn es nicht gelöst wird, könnte es Mitte des Jahrhunderts für den Tod von etwa 10 Millionen Menschen im Jahr verantwortlich sein, also mehr als heute an Krebs sterben. Der wirtschaftliche Schaden könnte sich auf unglaubliche 100 Billionen Dollar belaufen. Glücklicherweise können wir viel dazu beitragen, diese Bedrohung unschädlich zu machen – vorausgesetzt, wir stellen die nötigen Ressourcen zur Verfügung.

Ein wichtiger Handlungsbereich ist die Entwicklung neuer Medikamente. In einem bald erscheinenden Bericht des „Review on Antimicrobial Resistance“ werden die Kosten für die Entwicklung, verbesserte Zulassung und Vermarktung von Antimikrobiotika auf etwa 25 Milliarden Dollar geschätzt – eine erhebliche Summe, die aber im Vergleich zu den sonst anfallenden gesellschaftlichen Kosten kaum eine Rolle spielt. Dies entspricht auch etwa der Summe, die zwei der weltweit größten Pharmaunternehmen in diesem Jahr ausgeben, um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen.

Der Bericht macht zwar noch keine Vorschläge zur Finanzierung der Entwicklung neuer Medikamente, aber es scheint klar zu sein, dass die Pharmaindustrie dies problemlos leisten könnte. Ein übliches Argument der Pharmaunternehmen ist, dass sie für die Entwicklung von Medikamenten, die wahrscheinlich weniger Profit abwerfen als andere Investitionen, eine Gewinngarantie brauchen. Um Medikamente zu entwickeln, heißt es, müssten Preissteigerungen bis zu dem Punkt möglich sein, an dem das Angebot der Nachfrage entspricht.