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Altes und alterndes Europa

Als US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vor kurzem vom "alten Europa" sprach, wusste er gar nicht, wie recht er hatte. Europa ist tatsächlich alt und wird immer älter. Auf dem ganzen Kontinent werden Kinder immer seltener. Die Geburtenrate (die Anzahl der Kinder pro Frau) ist in Deutschland und Italien auf 1,2% gesunken. In Spanien liegt sie sogar noch niedriger und nirgendwo sonst ist sie so tief. Spanien ist noch eine junge Gesellschaft, aber eine Gesellschaft ohne Kinder ist verloren.

In den USA und in Großbritannien dagegen liegen die Raten bei 2,4 bzw. 2,1%. Ein durchaus bemerkenswerter Kontrast, ganz besonders angesichts der weitaus weniger großzügigen Mutterschaftsschutzgesetze in diesen beiden Ländern im Vergleich zu Kontinentaleuropa. Frankreich bildet mit einer Geburtenrate von 1,8% eine Ausnahme auf dem Kontinent, was vermutlich auf jahrelange großzügige Steuerpolitik gegenüber großen Familien zurückzuführen ist.

Migration ist auch ein wichtiger Grund für diese Unterschiede. Die höheren Geburtenraten in den USA, in Großbritannien und Frankreich sind auf die hohe Zahl von Emigrantenfamilien in allen drei Ländern zurückzuführen, die normalerweise mehr Kinder haben als "native" europäische oder amerikanische Familien. Aber eine Anhebung der Anzahl von ausländischen Arbeiternehmern geht nicht zwingend mit einer Erhöhung der Geburtenrate einher. In Deutschland zum Beispiel leben viele sogenannte Gastarbeiter, aber nur wenige lassen sich mit ihren Familien dort nieder, die meisten lassen ihre Kinder in ihren Heimatländern.

Die alternde Bevölkerung trägt zu der schlechten wirtschaftlichen Leistung Europas bei. Die Alten arbeiten nicht und immer weniger Menschen (die verschwindenden Jungen) bezahlen Steuern, um sie zu unterhalten. Das wiederum treibt die Steuersätze in die Höhe und demotiviert die Jungen; und so entsteht ein Teufelskreis: immer weiter steigende Steuern belasten die schrumpfende arbeitende Bevölkerung, geringeres Wachstum und weniger Mittel bleiben, um diejenigen zu unterstützen, die mit 60 in den Ruhestand treten und über 90 werden.