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Halbzeit für Obama

NEW YORK – Im September 2008 wurde das globale Wirtschafts- und Finanzsystem von einem Erdbeben erschüttert, dessen Epizentrum in den Vereinigten Staaten lag. Dieses Ereignis fiel mit dem Ende der Amtszeit der Regierung Bush zusammen. Die nächste Präsidentenwahl stand zwei Monate später an. Aus der Perspektive des Krisenmanagments konnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger liegen.

Der Grad an Unsicherheit hinsichtlich Vermögenswerte, Liquidität und der Frage, ob die Bilanzen die tatsächliche Geschäftslage abbildeten, war zu dieser Zeit extrem hoch. Aus der Unsicherheit entstand Angst, weshalb Banken, Unternehmen und private Haushalte begannen, Geld zu horten. Der Verbrauch brach ein und mit ihm auch die Einzelhandelsumsätze. Mit kurzer Verzögerung kam es auch in den Bereichen Beschäftigung und Investitionen zu einer derartigen Entwicklung. Rationale Entscheidungen auf individueller Ebene führten zu irrationalen Ergebnissen im Kollektiv.

Die Situation wies alle Anzeichen einer Depression auf. Durch Kreditbeschränkungen gingen Firmen aller Art bankrott, so dass die US-Regierung und die Federal Reserve gefordert waren, rasche, aggressive und unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Die von der Regierung Bush eingeleiteten und von der Regierung Obama weitergeführten Maßnahmen als Reaktion auf diese Entwicklung, wiesen alle oben erwähnten Merkmale auf. Eine Kombination aus Rekapitalisierung des Finanzsektors und einer raschen Expansion der Fed-Bilanz verhinderten eine völlige Lähmung des Kreditsektors.

Manche Strategien verfehlten ihr Ziel und mussten geändert werden. So war beispielsweise der amerikanische Bankenrettungsfonds Troubled Asset Relief Program (TARP) ursprünglich dazu gedacht, komplexe verbriefte Produkte, die ihren Wert verloren hatten und nicht mehr gehandelt wurden, aufzukaufen. Teilweise musste diese Methode auf direkte Kapitalinfusionen für Banken umgestellt werden.