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Preisgestaltung für existenzielle Risiken

NEW YORK – Seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wurde viel über das erhöhte Risiko einer nuklearen Vernichtung und dessen Auswirkungen (oder deren Fehlen) auf die Bewertungen an den Aktienmärkten geschrieben. Doch abgesehen von der Frage, ob Aktien über- oder unterbewertet sind, ist eine ebenso relevante Frage, ob das existenzielle Risiko aus finanzieller Sicht völlig ignoriert werden kann.

In einer kürzlich erschienenen Notiz mit dem Titel „Rising Risk of a Nuclear Apocalypse“ (Das steigende Risiko einer nuklearen Apokalypse) argumentiert Peter Berezin, Chef-Stratege bei BCA Research, dass die Wahrscheinlichkeit eines zivilisationsbeendenden Atomkonflikts im kommenden Jahr zwar (seiner Meinung nach) auf 10 % gestiegen ist, die Anleger aber auf Sicht von 12 Monaten „optimistisch gegenüber Aktien bleiben“ sollten. Der Grund dafür ist, dass die Aktienkurse im Falle eines Atomkriegs zwar fallen werden – und im Falle eines nuklearen Armageddons sogar den Nullpunkt erreichen könnten –, aber auch die Preise aller anderen Vermögenswerte (falls die Märkte für Vermögenswerte überleben). Da man sich gegen das Risiko eines Atomkriegs nicht absichern kann, sollte man nach Berezins Ansicht bei Vermögenswerten bleiben, deren Wert steigt, wenn ein Atomkrieg vermieden wird.

Es ist sicherlich richtig, dass man sich gegen das Risiko einer Apokalypse nicht absichern kann und dass es daher sinnvoll ist, länger in Vermögenswerte zu investieren, deren Wert andernfalls steigen wird. Diese Aussage ist jedoch nicht hilfreich, wenn man nicht weiß, welche Vermögenswerte von ihrem aktuellen Wert steigen werden, wenn ein Atomkrieg (vorerst) vermieden oder zumindest seine Wahrscheinlichkeit verringert wird.

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