1

Ein koreanischer Helsinki-Prozess?

SEOUL – Im letzten Monat konnten Nord- und Südkorea eine katastrophale militärische Konfrontation gerade noch verhindern. Nach vierzig Stunden anstrengender Verhandlungen erklärte sich der Süden bereit, die Lautsprecherübertragungen in die demilitarisierte Zone zwischen den beiden Ländern zu beenden. Im Gegenzug sprach der Norden für die südkoreanischen Soldaten, die in der Zone drei Wochen vorher durch eine Landminenexplosion ums Leben gekommen waren, sein „Bedauern“ aus.

Zwar zeigten die Nordkoreaner im Verlauf der Krise wieder ihre übliche kriegerische und aggressive Rhetorik, aber es gab auch einige interessante neue Wendungen. Ein Verständnis dieser Entwicklungen könnte dazu beitragen, nach über sieben Jahren Konfrontation zu einer echten zwischenkoreanischen Zusammenarbeit zu finden und die Halbinsel in eine friedlichere und sicherere Zukunft zu führen.

Die erste dieser neuen Entwicklungen ist, dass die südkoreanische Führung den Provokationen des Nordens viel härter entgegen tritt. 2010 hat die südkoreanische Öffentlichkeit sehr kritisch darauf reagiert, dass das Militär keine direkte Antwort auf die nordkoreanische Versenkung der Cheonan – eines südkoreanischen Kriegsschiffes mit mehr als hundert Besatzungsmitgliedern – und auf die Beschießung der Yeonpyeong-Insel später im Jahr hatte. Nach den jüngsten Landminenexplosionen allerdings blieb Präsidentin Park Geun-bei ihrer Forderung nach einer Entschuldigung des Nordens, der bestritten hatte, die Minen gelegt zu haben. Ihre Zustimmungsraten stiegen auf 50%, von nur 34% im Monat davor.

Dieser Wandel mag zwar in Südkorea sehr populär sein, birgt aber ernste Risiken für die Halbinsel. Lässt sich der Süden auf ein weiteres Kräftemessen mit dem oft dreisten und immer sprunghaften Norden ein, könnte dies katastrophale Folgen haben. In diesem Sinne ist ein institutioneller Rahmen für einen dauerhaften zwischenkoreanischen Frieden wichtiger denn je.