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Es gibt keine Alternative zur grünen Industriestrategie

DUBAI – Bei der diesjährigen Weltklimakonferenz ist der letzte Vorhang gefallen und einsam im Rampenlicht zurück bleibt die globale Finanzierungslücke. Schätzungen zufolge sind atemberaubende 5-7 Billionen US-Dollar pro Jahr nötig, um die Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen bis 2030 zu erreichen. Wir müssen aber nicht nur dringend das erforderliche Kapital aufbringen, wir müssen auch sicherstellen, dass langfristige, geduldige Investitionen strategisch auf ehrgeizige Ziele ausgerichtet werden. Dazu müssen wir sektorenübergreifende Pläne entwickeln, die verschiedenste Lieferketten berücksichtigen, was wiederum nur mit einer solide Industriestrategie gelingen kann.

Gerade arbeiten Länder in aller Welt mit Hochdruck daran, ihren Industriesektor wiederzubeleben. Großbritannien darf nicht den Anschluss verlieren. Anfang dieses Jahres veröffentlichte der britische Finanzminister Jeremy Hund einen ehrgeizigen Plan, mit dem er grüne Industrien zum Motor für langfristiges Wachstum machen will. In optimistischem Ton drängte er grüne Unternehmen dazu, ihre Investitionen auszubauen. Die Tories und die Labour Party müssen mit konkreten Initiativen das Vertrauen der Investoren in die Stabilität der britischen Politik stärken, damit Projekte mit einer Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten nicht an Planungsunsicherheit scheitern.

Eine Welt, in der sich immer mehr Länder die Klimaneutralität zum Ziel setzen, bietet enorme wirtschaftliche Chancen. Wenn Großbritannien diese Chancen nicht verpassen will, braucht es eine klare und umfassende Vision für seine industrielle Entwicklung. Wie der Bericht zur Unabhängigen Kontrolle der Klimaneutralitätsziele warnt, schaden widersprüchliche politische Ansätze nicht nur dem Klima, sondern auch der Wirtschaft. Immerhin könnten die grünen Industrien bis 2050 weltweit 10 Billionen US-Dollar wert sein.

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