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Die digitale Verdrängung der Arbeitskraft

MAILAND – Wieder einmal verändern digitale Technologien die globalen Wertschöpfungsketten und damit auch die Struktur der Weltwirtschaft. Was bedeutet das  nun für Unternehmen, Bürger und politische Entscheidungsträger in ihrem Bemühen, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten?

Ursprünglich steigerten digital unterstützte Lieferketten die Effizienz und sorgten für eine drastische Verkürzung von Lieferzeiten. Das Kapital war mobil; die Arbeitskräfte weniger. Wirtschaftliche Aktivitäten  (Produktion, Forschung, Entwicklung usw.) verlagerten sich in alle erreichbaren Länder oder Regionen, wo Arbeitskräfte und Humankapital relativ kostengünstig zur Verfügung standen. Mit nur leichter Verzögerung wurde die Komplexität beherrschbar und das lineare Modell globaler Lieferketten (eine in Land A produzierte Ware wird in Land B konsumiert) wurde von einem komplexen Modell stärker fragmentierter, aber effizienterer Versorgungsnetze abgelöst.  

Unterdessen ereignete sich auch auf der Nachfrageseite ein dramatischer Wandel, da die Schwellenländer wuchsen und sich zu Ländern mittleren Einkommens entwickelten. Aus Produzenten in Entwicklungsländern, die vormals für einen relativ kleinen Anteil an der globalen Nachfrage verantwortlich waren, wurden wichtige Verbraucher.  

Die globalen Versorgungsnetze wandelten sich abermals, indem man dieser Fragmentierung und Zersplitterung sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite Rechnung trug. Dieser Prozess wird manchmal als technologisch unterstützte Atomisierung bezeichnet: die Zergliederung der Versorgungsnetze in immer kleinere Einheiten, wodurch sich das zuvor vorherrschende Gebot der Nähe und die daraus resultierenden Zwänge hinsichtlich der Transaktionskosten auflösten.