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Politikresistente Ökonomien?

MAILAND – Die Unfähigkeit von Regierungen in ihren Ökonomien im Hinblick auf Wachstum, Beschäftigung und Verteilungsfragen entschlossen zu handeln, gibt mittlerweile beinahe überall Anlass zu großer Sorge. Vor allem in den Vereinigten Staaten haben politische Polarisierung, der Stillstand im Kongress und unverantwortliche Selbstdarstellung einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wobei man sich vielfach besorgt über die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung zeigt.

Wie jedoch aus einer jüngst durchgeführten Untersuchung hervorgeht, besteht wenig Korrelation zwischen der relativen Wirtschaftsleistung eines Landes in mehreren Bereichen und der Frage, wie „funktionstüchtig“ seine Regierung ist. Tatsächlich haben die USA trotz eines rekordverdächtigen Grades an politischer Polarisierung auf nationaler Ebene in den sechs Jahren seit Ausbruch der globalen Finanzkrise andere Industrieländer hinsichtlich Wachstum, Beschäftigung, Produktivität und Lohnstückkosten überholt.

Natürlich sollte man nicht zu dick auftragen. In Deutschland, Kanada und Japan ist die Arbeitslosigkeit niedriger. Und Amerikas Einkommensverteilung ist ungleicher als in den meisten anderen Industrieländern – wobei der Trend noch weiter in die falsche Richtung geht. Dennoch bezahlen die USA im Hinblick auf ihre gesamte relative Wirtschaftsleistung keineswegs einen hohen Preis für die politische Dysfunktion.

Ohne den potenziellen Wert einer entschlosseneren Politik abtun zu wollen, scheint jedoch klar, dass hier andere Kräfte am Werk sein müssen. Deren nähere Untersuchung offenbart wichtige Lehren für eine ganze Reihe von Ländern.