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Ein Ökonom für die Ewigkeit

STANFORD – Wie vielen anderen ist mir der Anfang diesen Monats gestorbene Wirtschaftsnobelpreisträger Gary Becker erstmals dadurch begegnet, dass ich seine wegweisenden Werke Human Capital und The Economics of Discrimination gelesen habe. Seit die schwedische Zentralbank 1969 erstmals den Wirtschaftsnobelpreis vergab, wurde er an viele Dutzend hervorragende Ökonomen verliehen, aber Becker gehört zu den Wenigen, die die Denkweise der Ökonomen (und der Sozialwissenschaftler im Allgemeinen) über viele wichtige wirtschaftliche Themen grundlegend verwandelt haben.

Was Becker auszeichnete, war die Anwendung seiner durchschlagenden Einsichten, insbesondere zu wirtschaftlichen Anreizen, auf Themen, die von der Wirtschaftsanalyse bis dahin meist vernachlässigt wurden. Dazu gehörten die Sichtweise von Ausbildung als Investition, die Frage nach Gewinnern und Verlierern von Diskriminierung, die Untersuchung der Zeitplanung von Familien und die Erklärung der Schwangerschaftsentscheidungen von Frauen.

Selbst für seine Forschungen zu nur einem oder zwei dieser Themen hätte er den Nobelpreis verdient, und um so bemerkenswerter ist es, dass er bei solch einer Vielzahl von Fragen zu wichtigen Einsichten kam. Das seltene Lob, das er vom verstorbenen Milton Friedman, seinem langfristigen Mentor und Freund (und selbst Nobelpreisträger, der ebenso Becker das ökonomische Denken in vielen Bereichen verändert hat) erhielt, hat er sicher verdient: Becker, erklärte Friedman, war „der größte Sozialwissenschaftler, der im letzten halben Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat“.

Beckers dauerhafter Schwerpunkt lag auf den Antriebskräften, die menschlichen Verhalten zugrunde liegen, und dem Zusammenwirken von Menschen sowohl auf den Märkten als auch in anderen Bereichen. Früh in seiner Karriere wurde seine Arbeit oft dafür kritisiert, große soziale Probleme zu sehr vom Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Analyse aus zu untersuchen und damit bei empfindlichen Themen manchmal heikle Reaktionen auszulösen.