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Medellin kommt nach Afrika

In Presseberichten über den Drogenhandel taucht immer wieder ein ungewohntes Land auf: Guinea-Bissau. Dieser westafrikanische Staat mit 1,5 Millionen Einwohnern zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Seine wichtigsten Exportgüter? Cashewnüsse, Garnelen und Kokain. Kokain in einem Land ohne Kokapflanzen? So ist es.

Über vier Tonnen Kokain wurden in diesem Jahr in Westafrika beschlagnahmt, eine Zunahme von 35 % gegenüber der beschlagnahmten Gesamtmenge 2006. In den internationalen Gewässern vor dem Golf von Guinea werden ebenfalls Drogen beschlagnahmt.

Ein Grund dafür, warum diese Region zu einem der wichtigsten Knotenpunkte für den Drogenhandel wird, ist seine Lage. Westafrika ist ein idealer Anlegeplatz auf der Route von Südamerika zu den Kokainmärkten Europas. Große Lieferungen werden auf Fischerbooten und Frachtern versteckt, dann auf kleinere Ladungen verteilt, die mit schnelleren Booten entlang der Küste nach Marokko oder Spanien geschickt werden.

Zudem bringen Afrikas schwache Staaten den geringsten Widerstand dagegen auf, als Ersatz für die traditionellen Schmuggelrouten für Kokain in Mittelamerika und der Karibik herzuhalten. Viele Länder in der Region können ihr eigenes Territorium nicht kontrollieren, keine Rechtsprechung durchsetzen und sind von Korruption geplagt.