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Lula, im Schatten Chávez

Für viele an der Wall Street, im US Außenministerium und beim Internationalen Währungsfonds (IWF) spuken in Latein Amerika noch immer die Gespenster Ché Guevaras und seiner früheren Legionen bärtiger Kommandanten mit den bunten Halstüchern. Und das nicht ohne Grund! Denn in letzter Zeit sind wieder links-orientierte Militäroffiziere in Bewegung geraten. Doch plagt ein anderer Geist den Kontinent: Die Unkenntnis in den Hauptstädten des Westens über die Wirtschaft Lateinamerikas.

Brasiliens neuer Präsident Luiz Inacio Lula da Silva wurde mit den gleichen, viel zu großen Erwartungen gewählt, die den ehemaligen Fallschirmjäger und Putschisten, Hugo Chávez, vor drei Jahren in Venezuela an die Macht gebracht hatten. Doch wäre es unklug, Präsident Lula als einen gefährlichen Populisten hinzustellen, nur weil seine politische Basis der des eigenwilligen Chávez ähnelt.

Präsident Lulas ärmste Anhänger erwarten von ihm zweifellos, daß er Brasilien, die Gesellschaft der Welt mit den größten sozialen Unterschieden, in eine moderne Sozialdemokratie umformt. Seine gutbürgerlichen Unterstützer wollen nicht weniger begierig ihren Lebensstandard wachsen sehen. Trotz dieser Erwartungen ist es unwahrscheinlich, dass Lula irgendetwas wie die chaotische ,,Revolution Bolivars", die Chávez losgetreten hat, unternehmen wird.

Die Erwartungen sind immer das Schwerste, womit sozialistische Führer zurechtkommen müssen. Die Arbeiter Partei Lulas zum Beispiel hat die Rentenreform abgelehnt, die von der vorherigen Regierung Cardoso eingeleitet worden war, und erwartet von Lula, dass er wesentlich mehr vom alten System beibehält, als es der frühere Präsident Cardoso für möglich gehalten hatte.