Oil drill

Der Todeskampf des Öls

PRINCETON – Der Ölpreis wird oft als Thermometer zur Messung der Gesundheit der Weltwirtschaft gesehen. Weniger oft wird berücksichtigt, dass er auch als Barometer verwendet werden kann – zur Warnung vor nahenden weltpolitischen Stürmen. In der Tat wird der dramatische Preisverfall des Fasses Rohöl von fast 150 Dollar im Juni 2008 auf etwa 30 Dollar heute wahrscheinlich für anhaltenden Aufruhr sorgen – weit über die weltweiten Energie- und Rohstoffmärkte hinaus, was insbesondere für die Europäische Union beunruhigende Folgen haben wird.

Fallende Ölpreise korrelieren eindeutig mit finanzieller Instabilität, aber Ursache und Wirkung zeigen anscheinend nicht in die Richtung, die von den meisten Experten erwartet wird. Im Gegenteil: Bei steigenden Ölpreisen steigen auch die Kosten in den meisten reichen, industrialisierten Volkswirtschaften, und daher verhält sich ein höherer Ölpreis als Wachstumsbremse. Steigende Ölpreise haben zu den weltweiten Rezessionen von 1973, 1979, 2000 und 2008 geführt.

Und auch der Umkehrschluss ist richtig. Eine schwächere Wirtschaft führt meist zu Preiseinbrüchen, die für Regierungen und Konsumenten ein finanzieller Segen sein können. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 brachen in Erwartung wirtschaftlicher Stagnation die Ölpreise ein, um sich dann aufgrund des starken Wachstums in den Schwellenländern wieder zu erholen. So betrachtet ist der aktuelle Ölpreisverfall nicht überraschend, da ihm Zeichen der Schwäche in allen großen Schwellenländern voraus gingen (mit der möglichen Ausnahme Indiens).

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