Lateinamerika nach Bush

Amerikas Präsident hat in Lateinamerika wieder einmal schlecht abgeschnitten. Zugegeben, Präsident George W. Bush ist von all seinen Gastgebern in den fünf Ländern, die er besuchte, freundlich und mit der traditionellen lateinamerikanischen Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit empfangen worden. Es gab keine größeren, unglücklichen Zwischenfälle; die anhaltenden Proteste waren heftig, aber nicht sonderlich gewalttätig oder gut besucht; es kam nicht zu bedeutenden Kränkungen oder Pannen, und Präsident Bush erreichte das, woran er vermutlich am meisten interessiert war: Er sandte eine Botschaft zurück in die Vereinigten Staaten, dass er sich tatsächlich für mehr interessiert als nur den Irak.

Er hat zudem, auf etwas umständlichem Wege, ein weiteres Ziel erreicht: Sozusagen Flagge gezeigt angesichts der wachsenden Herausforderung durch den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, der dank praktisch grenzenlos zur Verfügung stehender Petrodollars und kubanischer Ärzte und kubanischen Fußvolks in ganz Lateinamerika oben auf ist.

Chávez hat Bush an beinahe jeder Station des Weges geködert, doch der US-Regierungschef ist den Provokationen ausgewichen und hat Chávez wahrscheinlich in dem Sinne übertroffen, dass es ein unbeliebter US-Präsident geschafft hat, die Tagesordnung zu dominieren und den Kampf der Ideen direkt vor lateinamerikanischem Publikum auszutragen, mit dem die Venezolaner und die Kubaner tagtäglich in Kontakt sind. Bush ist es ebenfalls gelungen, den Ton der US-amerikanischen Botschaft in der Hemisphäre teilweise zu ändern: von Freihandel und dem Kampf gegen den Terrorismus zur Bekämpfung der Armut und Stärkung der Demokratie und Menschenrechte. Wenn Bush diese Reise einige Jahre früher unternommen hätte, wäre die Situation heute eine andere.

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