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Kann Europa durch Investitionen gerettet werden?

PARIS – Das Wirtschaftswachstum in Europa bleibt enttäuschend. Fast alle Mitglieder der Europäischen Union werden 2014 voraussichtlich ihre Produktion erhöhen, aber laut der jüngsten Projektionen des Internationalen Währungsfonds wird die durchschnittliche Wachstumsrate in der Eurozone kaum über 1% liegen. Und obwohl die britische Wirtschaft wieder stark ist, hat das BIP des Landes erst jetzt den Vorkrisenwert überschritten. Pro Kopf ist die EU immer noch ärmer als vor sieben Jahren.

In diesem Zusammenhang taucht ein neues politisches Ziel auf: Investitionen. Der italienische Premierminister Matteo Renzi, der momentan die rotierende EU-Präsidentschaft einnimmt, hat sich für sie eingesetzt, und Jean-Claude Juncker, der designierte Präsident der Europäischen Kommission, hat sie als seine „erste Priorität“ bezeichnet. Sein Ziel für die nächsten drei Jahre ist es, jährlich zusätzlich 100 Milliarden Euro (0,75% des BIP) für öffentliche und private Investitionen einzusetzen.

Investitionen sind sicherlich ein politisch attraktives Thema. Sie können Keynesianer und Unterstützer der Angebotsseite miteinander vereinen, ebenso wie Vertreter öffentlicher Ausgaben und privater Unternehmen. Und die historisch niedrigen Langfristzinsen bieten zweifellos eine außergewöhnlich gute Möglichkeit zur Finanzierung neuer Vorhaben.

Aber daraus folgt nicht automatisch, dass Regierungen Geld in neue öffentliche Infrastrukturprojekte stecken oder private Investitionen fördern sollten, indem sie bei bereits vorteilhaften Marktbedingungen weitere Anreize schaffen. In einer Zeit geschrumpfter Privateinkommen, knapper öffentlicher Ressourcen und hoher Schuldenlasten sollten Pläne zur Investitionsförderung sorgfältig geprüft werden.