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Zurück in die Zukunft in der Ukraine und Asien

NEW YORK – Nun, da russische Truppen ukrainisches Territorium besetzen und die chinesische Marine in philippinischen Hoheitsgewässern im Südchinesischen Meer Präsenz zeigt, gerät die Welt in eine gefährliche Zeitschleife.

Geopolitisch betrachtet setzen Russland und China die Regeln des 19. Jahrhunderts wieder in Kraft, als die Staaten durch Anhäufung harter Macht in einem System des ungezügelten Nationalismus und strikter staatlicher Souveränität in Konkurrenz zueinander standen. Tatsächlich scheint der russische Präsident Wladimir Putin zu versuchen, die Landkarte des zaristischen Russland aus dem 19. Jahrhundert wieder zusammenzusetzen, indem er unter allen Umständen an der Krim, an Abchasien, Südossetien und anderen Teilen des alten Zarenreichs festhält.

In ähnlicher Weise meldet auch China auf Grundlage nebuloser Geschichten untergegangener Reiche und unter vollständiger Missachtung des  Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen seine Ansprüche im Südchinesischen Meer an. Beide Länder verhalten sich so, als wäre Macht ein Nullsummenspiel unter dem Diktat der alten Regeln der Realpolitik. 

Trotz der Mahnung von US-Außenminister John Kerry, wonach die russische Besetzung der Krim „nicht dem Verhalten einer wichtigen G-8-Nation des 21. Jahrhunderts entspricht” bemühen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten allerdings um die Erhaltung der Nachkriegswelt des 20. Jahrhunderts.