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Israels Sieg der politischen Mitte

JERUSALEM – Israels Wahl ist ein Sieg für die politische Mitte und den nationalen Konsens. Das ist in der Tat der Schlüssel zum Verständnis nicht nur der Stimmenauszählung, sondern auch der öffentlichen Meinung in Israel, der nächsten Regierung und ihrer Politik.

Aus Erfahrung haben die meisten Israelis eine Weltsicht entwickelt, die traditionelle linke und rechte Denkweisen miteinander verbindet. Auf der einen Seite möchten sie mit den Palästinensern zu einer umfassenden politischen Lösung auf der Grundlage der Gründung eines palästinensischen Staates im Gegenzug für wahren, dauerhaften Frieden gelangen. Auf der anderen Seite wissen sie, dass es keine palästinensische Führung gibt, die stark und gemäßigt genug wäre, um diesen herbeizuführen.

Sowohl die Linke als auch die Rechte wurde widerlegt. Die Linke bot große Zugeständnisse an und war bereit, um des Friedens willen hohe Risiken in Kauf zu nehmen. Doch gibt es keine glaubwürdige Möglichkeit, mit so radikalen Kräften wie dem Iran, Syrien, der Hamas und der Hisbollah, die allesamt Israels Vernichtung anstreben, zu einem Abkommen zu gelangen. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) ist weniger extrem, aber ihre Führung ist schwach, sie kontrolliert Gaza nicht und ist immer noch voll von einzelnen Hardlinern.

Diese Vorgehensweise hat auch infolge mehrerer anderer Punkte an Glaubwürdigkeit verloren, darunter der Aufstieg der Hamas und ihre Entschlossenheit, einen ständigen Krieg gegen Israel zu führen; der zunehmende Einfluss des Iran sowie sein Atomwaffenprogramm; und der gewaltige – und weiter wachsende – Hass von Arabern und Muslimen auf Israel. Außerdem hat die Welt Israel nicht dafür belohnt, Zugeständnisse zu machen und Risiken einzugehen. Im Gegenteil: Je mehr Israel gab, desto mehr Verleumdungen und Feindseligkeiten sah es sich in vielen Bereichen ausgesetzt.