USA: Ist der Neokonservatismus am Ende?

Der Neokonservatismus diente bisher als einigendes Etikett für jene Kräfte innerhalb der Bush-Administration, die eine aggressive Außenpolitik, massive Militärausgaben, eine Missachtung des Völkerrechts und der internationalen Institutionen, Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat sowie eine Rückkehr zu „traditionellen Werten“ befürworteten. Ist es angesichts der unter rapidem Popularitätsverlust und Rücktritten auf höchster Ebene zu Ende gehenden Bush-Ära also auch mit der neokonservativen Bewegung vorbei?

Dem Neokonservatismus lagen andere Prämissen zugrunde als den traditionellen Formen des Konservatismus. Da Reformen Teil „unseres“ Erbes werden können, können traditionelle Konservative sich Veränderungen anzupassen und sogar das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schlagen. Im Gegensatz hierzu sind den Anhängern des Neokonservatismus die Verbindungen zwischen „den Toten, den Lebenden und den noch nicht Geborenen“ (Edmund Burke) gleichgültig. Im Gegenteil, sie sind Revolutionäre – oder vielmehr Kontrarevolutionäre –, die es darauf anlegen, Amerika und die Welt umzugestalten.

Tatsächlich bleiben Irving Kristol, Norman Podhoretz und andere neokonservative „Elder Statesmen“ in gewissem Sinne von dem kommunistischen Dogmatismus geprägt, dem sie sich als jugendliche Trotzkisten entgegenzustellen suchten. Die Tugendhaftigkeit ihrer „Partei“ oder Clique bedarf in ihren Augen keinerlei komplexer Rechtfertigung; sie stehe für die „amerikanischen Werte“, während Kritiker lediglich eine „objektive Apologetik“ für die „Feinde der Freiheit“ böten.

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