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Ist Liquidität genug?

Jede Woche pumpen die US Federal Reserve und die Europäische Zentralbank mehr Liquidität in das globale Banksystem. Der durchschnittliche in den USA gezahlte Zinssatz für Tagesgeld liegt deutlich unter jenen 5,25% p.a., die die Fed offiziell noch immer als ihre Zielmarke nennt.

Doch der Markt für Tagesgelder scheint sich inzwischen in drei Segmente aufgeteilt zu haben. Banken, die als gesund gelten, können zu einem Zinssatz von deutlich unter 5,25% Kredite aufnehmen. Banken jedoch, die vor möglichen Liquiditätsproblemen stehen – und für welche die Fed einen Kreditzins von 5,25% anstrebt –, borgen bei der Fed selbst zu einem Zinssatz von 5,75%. Dasselbe gilt für einige Großbanken, die mehr Liquidität anstreben, aber der Ansicht sind, sie könnten sie nicht bekommen, ohne Verwerfungen am Markt hervorzurufen.

Eine derartige Differenz zwischen den auf den Finanzmärkten gegenüber der Bankaufsicht unterstehenden Banken erhobenen Preisen ist ein Zeichen für einen potenziellen Crash. Derzeit sind die auf diese Weise erhobenen Preisaufschläge gering: Für einen Tagesgeldkredit in Höhe von 100 Millionen Dollar ergibt selbst ein Zinsaufschlag von einem Prozent lediglich 3000 Dollar. Dies spiegelt die geringe Wahrscheinlichkeit wieder, die der Markt dem Eintreten einer voll ausgewachsenen Finanzkrise mit Konkursen und Bankzusammenbrüchen zuweist. In normalen Zeiten freilich gibt es derartige Aufschläge überhaupt nicht.

Die Tatsache, dass bei den Banken auch nur eine kleine Liquiditätsverknappung vorliegt, impliziert größere Liquiditätsengpässe bei staatlicherseits weniger intensiv beaufsichtigten Finanzinstituten und noch größere beim produzierenden Gewerbe oder bei Immobiliengesellschaften. Es ist kaum vorstellbar, dass die Industrie derzeit keine Bestellungen von Investitionsgütern zurückstellt oder dass die Zahl der Käufe von Privatimmobilien in den USA nicht deutlich im Fallen begriffen ist.