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Ist Blasphemie Hass-Sprache?

NEW YORK – Die Ermordung Salman Taseers, Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab und offener Kritiker des religiösen Extremismus, ließ das drakonische Blasphemie-Gesetz seines Landes in den Mittelpunkt der Aufmerksamt rücken. Verabschiedet wurde das Gesetz in seiner aktuellen Fassung vor über dreißig Jahren durch die Militärdiktatur General Mohammed Zia ul-Haqs. Das Gesetz sieht für alle, die der Beleidigung des Islams für schuldig befunden wurden, obligatorisch die Todesstrafe vor.  

Der Polizist, der Taseer ermordete, beging seine Tat offensichtlich deshalb, weil der Gouverneur vor kurzem eine Kampagne zur Aufhebung dieses Gesetzes in die Wege geleitet hatte. Vom Standpunkt der religiösen Extremisten Pakistans, die den Mord begrüßten, war das allein schon ein Akt der Blasphemie.

Über lange Zeit wurden Blasphemie-Gesetze als unseliges Vermächtnis der Bemühungen in England während der Religionskämpfe des 16. und 17. Jahrhunderts betrachtet, abweichende Interpretationen der Schrift unter Christen zu unterdrücken. Durch die britische Kolonialherrschaft verbreiteten sich diese Gesetze in südasiatischen Ländern und auch anderswo. General Zias drastische Version des Blasphemie-Gesetzes in Pakistan wurde als Teil seiner Anstrengungen eingeführt, den Islam zur Unterdrückung aller abweichenden Meinungen zu benutzen.

Die Blasphemie rückte in den späten 1980er Jahren in den Mittelpunkt des Interesses, als Ayatollah Ruhollah Khomeini im Iran eine Fatwa aussprach, in der er zur Ermordung des Schriftstellers Salman Rushdie wegen seines Romans Satanische Verse aufrief. Obwohl Rushdie mithilfe eines außergewöhnlichen Aufgebotes britischer Sicherheitskräfte überlebte, wurden andere mit seinem Buch in Zusammenhang stehende Personen ermordet.