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Der iranische Präventivschlag

Die zerstrittene und rivalisierende iranische Führung hat sich durch ihre Aktionen darauf geeinigt, das Angebot Europas und der Vereinigten Staaten abzulehnen, wonach man im Gegenzug für die Aufgabe des Atomanreicherungsprogrammes, einen Kernreaktor und Flugzeugteile bekommen hätte sowie wirtschaftliche Kooperationen und weitere Übereinkommen in Aussicht gestanden wären. Vielerorts hoffte man, dass die Führung des Iran trotz ihres Extremismus dieses Angebot annehmen würde, wenn auch nur um Sanktionen zu verhindern – die mit Sicherheit kommen werden, auch wenn sich China und Russland im UN-Sicherheitsrat weigern, diese mitzutragen. Diesmal ziehen die USA und Europa an einem Strang. Sie können den Iran wirksam von den Aktivitäten der Weltbank ausschließen, die iranischen Führer daran hindern, in den Westen zu reisen und sämtliche Exporte mit Ausnahme von Lebensmitteln und Medikamenten in den Iran stoppen.

Statt jedoch untätig auf Sanktionen zu warten, beschloss die iranische Führung eine Nahost-Krise vom Zaun zu brechen, indem sie Angriffe gegen Israel organisierte. Ziel der iranischen Führung ist es, die Amerikaner und Europäer davon abzuhalten, eine andere Krise zu entfachen – Finanzmärkte und Tagespolitik in Europa ertragen nur ein gewisses Maß an Konflikt. Außerdem hofft man wahrscheinlich auch, die gemeinsame Position der USA und der EU zu erschüttern.

Außerdem wird der iranische Führungsanspruch in der muslimischen Welt durch den Konflikt im Irak untergraben, wo der Iran schiitische Milizen unterstützt, die Sunniten töten. Jeder blutige, von Bombenanschlägen und Hinrichtungen geprägte Tag im Irak erinnert die Araber daran, dass die Iraner weder Araber noch Sunniten sind. Aber die Angriffe auf Israel einen die Muslime und bringen Dankbarkeit aus der arabischen Welt.

Der Schritt des Iran wurde bei einer Reihe von Treffen mit der Hamas und der Hisbollah im Libanon vorbereitet. Der oberste Hamas-Chef Khaled Maschal, der unter syrischem Schutz in Damaskus lebt, reiste nach Teheran, wo er 50 Millionen Dollar in dringend benötigtem Bargeld in Empfang nahm. Obwohl es sich bei der Hamas um einen Ableger der sunnitischen Muslimbruderschaft handelt, deren arabische Finanziers die Ayatollahs verabscheuen, entschied sich die Hamas mit dem Iran zu kooperieren, weil sie diplomatisch isoliert und aufgrund der Weigerung, Israel anzuerkennen, von westlichen Finanzströmen abgeschnitten war.