14

Die Verwirklichung des indischen Traums

NEU DELHI – Es passiert mir nicht oft, dass ich beruflich eine Doppelrolle spielen kann. Aber genau dies geschah Anfang diesen Monats, als in ein paar Tage in Neu Delhi verbrachte.

Der eigentliche Grund meiner Reise nach Indien war meine aktuelle Rolle als Vorsitzender der Untersuchungskommission über antimikrobielle Resistenz (AMR). Aber mein Besuch fand zeitgleich mit der Vorstellung des indischen Haushalts 2015-2016 statt, des ersten Haushalts unter Premierminister Narendra Modi. Angesichts einiger meiner anderen Interessen und Erfahrungen fand ich seine Präsentation sehr interessant.

Laut kürzlicher Aktualisierungen der indischen BIP-Zahlen ist die Volkswirtschaft des Landes real etwas schneller gewachsen als die chinesische. Eine Hauptaussage meiner Untersuchungen der BRIC-Wirtschaftsräume (Brasilien, Russland, Indien und China) vor über zehn Jahren war, dass an irgendeinem Punkt in diesem Jahrzehnt Indien beginnen würde, schneller als China zu wachsen, und dass dies Dutzende von Jahren so bleiben würde.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Indiens Demografiewerte sind deutlich besser als diejenigen Chinas, und die Größe und Wachstumsrate der Arbeiterschaft eines Landes ist einer der beiden Schlüsselfaktoren für langfristige Wirtschaftsleistung – und der andere ist die Produktivität. Zwischen heute und 2030 wird diese Wachstumsrate dem bestehenden Arbeitsmarkt so viele Arbeitskräfte hinzufügen wie in den vier größten Volkswirtschaften Europas zusammen. Indien ist weniger verstädtert als China und befindet sich erst im Frühstadium der Vorteile, die der Urbanisierungsprozess normalerweise mit sich bringt.