0

Luftschlösser auf dem Wohnungsmarkt

Während der vergangenen sechs Monate hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit und Besorgnis von Amerikas enormem Handelsdefizit auf den plötzlichen Preisanstieg auf den Wohnungsmärkten und die Immobilienblase verlagert. Zumindest zwei Gründe für die hohen – und weiter steigenden – Eigenheimpreise in den Vereinigten Staaten sind klar. Unklar jedoch bleibt, ob sich ein offensichtlich überhitzender Markt abkühlen lässt, ohne dass die USA – und ihre Haupthandelspartner weltweit – wirtschaftlich ins Trudeln geraten.

Der Boom auf dem US-Immobilienmarkt beruht erstens auf niedrigen Zinsen, aufgrund derer große Mengen Geldes zu relativ moderaten Monatsraten als Hypotheken aufgenommen werden können. Niedrige Zinsen machen die Rückzahlung einfacher und kurbeln deshalb die Nachfrage an, und angesichts hoher Nachfrage und einem – zumindest kurzfristig – begrenzten Häuserangebot steigen die Preise.

Zweitens ist jener siebzigjährige Zeitraum, der mit der weiten Verbreitung des Automobils begann und während welchem man in einem typischen Metropolgebiet innerhalb von einer halben oder einer Stunde überall hingelangen konnte, nun vorbei. Vor der allgemeinen Verbreitung des Automobils hingen die Bodenpreise vom Standort ab, und die Nähe zur zentral gelegenen Stadt oder der örtlichen Eisenbahnstation bedingte einen Aufpreis.

Nun aber, wo ernsthafte Staus den Verkehrsfluss in den Großstädten auf Kriechgeschwindigkeit verlangsamen, hat das Gefälle bei den Bodenpreisen wieder steil zugenommen. Möglicherweise ließe sich diese Zunahme des Preisgefälles für ein Jahrzehnt hinauszögern, wenn wir zu einer größeren Siedlungsdichte bereit wären. Wir könnten etwa die Reihenhäuser von San Francisco abreißen und sie durch Gebäude ersetzen, die eher denen der Upper West Side in New York ähneln. Aber dazu sind wir nicht bereit.