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Hisbollah in der Klemme

BEIRUT: Die Zukunft der Hisbollah, der mächtigen politischen und paramilitärischen Schiitenorganisation im Libanon, sah noch nie so unsicher aus. Tatsächlich scheint es, als wäre die Hisbollah angesichts zunehmender Spannungen mit Israel und einer möglichen Anklage ihrer Agenten durch das die Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafic al-Hariri untersuchende internationale Tribunal von allen Seiten eingekesselt.

Die Frage, die sich dabei unmittelbar aufdrängt, betrifft die Möglichkeit eines weiteren Krieges zwischen Israel und der Hisbollah. Diesbezügliche Befürchtungen haben in den letzten Monaten zugenommen. Sie erhalten Auftrieb durch Berichte über neue Raketentransfers an die Hisbollah und periodische Drohungen aus Israel. Diejenigen, die einen Krieg erwarten, argumentieren, dass Israel nicht bereit sei, einen schwer bewaffneten Vertreter iranischer Interessen an seiner Grenze zu tolerieren, solange die Spannungen mit dem Iran in der Nuklearfrage nicht beigelegt sind.

Obwohl ein Krieg in den kommenden Monaten unwahrscheinlich ist, könnte sich Israel, falls die Sanktionen gegenüber dem Iran nicht bis Anfang 2011 Früchte tragen, zum Handeln genötigt sehen. Sollte es Militärschläge gegen die iranischen Nuklearanlagen einleiten, würde sich die Hisbollah vermutlich in die Auseinandersetzung einschalten, und Israel müsste sich dann gleichzeitig mit ihr auseinandersetzen. Alternativ könnte Israel einen Präventivkrieg gegen die Hisbollah beginnen, um dem Iran die nahe gelegenen Vergeltungskapazitäten zu nehmen.

Die Hisbollah bereitet sich intensiv auf derartige Szenarien vor. Sie errichtet Verteidigungsanlagen, gräbt Tunnel und ist dabei, ein starkes Raketenarsenal zusammenzustellen. Doch auch wenn diese Vorbereitungen das Überleben der Hisbollah gewährleisten dürften, würde es ihr vermutlich schwer fallen, gegenüber der libanesischen Öffentlichkeit eine Strategie zu rechtfertigen, die im Verlaufe von fünf Jahren zu zwei ruinösen Kriegen führte.