5

Wer soll die globale Wirtschaft führen?

PRINCETON – Was die globale Wirtschaftsführung angeht, war das 20. Jahrhundert amerikanisch, wie das 19. britisch und das 16. spanisch war. Einige Chinesen und Europäer denken, dass sie als Nächstes an der Reihe sind, aber stimmt das auch? Und wäre das überhaupt erstrebenswert?

Die wichtigste Voraussetzung für die globale Führungsrolle ist Größe. Je größer eine Volkswirtschaft ist, desto größer ist deren systemische Relevanz und desto mehr Gewicht haben die politischen Vertreter bei der Entscheidungsfindung in internationalen Gremien. Die USA sind die größte Wirtschaft der Welt, mit einem Bruttoinlandsprodukt von ca. 16,7 Billionen US-Dollar. Die Eurozone liegt mit 12,6 Billionen US-Dollar an zweiter und China mit ca. 9 Billionen US-Dollar an dritter Stelle. Mit anderen Worten, alle drei Wirtschaftsräume sind groß genug, um die Rolle als Wirtschaftsvorreiter zu spielen.

Aber die Prognosen für eine Wirtschaft sind auch wichtig für ihre Aussichten auf den ersten Platz – und da stehen große Herausforderungen bevor. Niemand geht davon aus, dass die Eurozone in den kommenden Jahren oder gar Jahrzehnten schneller wachsen wird als die USA. China wird die USA hinsichtlich der Produktion bis 2020 überholt haben, allerdings werden gleichzeitig Jahrzehnte der strengen Kontrolle des Bevölkerungswachstums das Wachstum langfristig schwächen, sodass die US-Wirtschaft die dynamischste der drei sein wird.

Eine andere Schlüsselanforderung für die globale Wirtschaftsführung ist die systemische Relevanz hinsichtlich Handel, Geld und Finanzen. Im Gegensatz zu China, die eine große Handelsmacht ist, dessen Geld- und Finanzkapazitäten aber unterentwickelt sind, erfüllt die Eurozone die Anforderungen der systemischen Bedeutung in allen drei Bereichen.