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Über Glück, Geld und die Erfüllung, es zu verschenken

Wären Sie glücklicher, wenn Sie mehr Geld hätten? Viele Menschen glauben, dass dem so wäre. Ergebnisse aus langjähriger Forschungsarbeit deuten allerdings darauf hin, dass größerer Wohlstand nur in den untersten Einkommensbereichen auch mehr Glück bedeutet. Die Menschen in den USA beispielsweise sind im Schnitt reicher als die Neuseeländer, aber sie sind nicht glücklicher. Noch drastischer im Vergleich: Menschen in Österreich, Frankreich, Japan und Deutschland scheinen um nichts glücklicher zu sein als die Einwohner ärmerer Länder wie Brasilien, Kolumbien und der Philippinen.

Vergleiche zwischen Ländern verschiedener Kulturen sind schwierig, aber der gleiche Effekt zeigt sich auch bei Vergleichen innerhalb eines Landes. Eine Ausnahme bildet dabei der unterste Einkommensbereich, in den USA also bei einem Verdienst von weniger als 12.000 Dollar jährlich. Über dieser Schwelle bedeutet eine Einkommenssteigerung keinen großen Unterschied im Glücksempfinden der Menschen. Die Amerikaner sind heutzutage reicher als in den 1950er Jahren, aber sie sind nicht glücklicher. Amerikaner mit einem mittleren Einkommen – also mit einem Familieneinkommen zwischen 50.000 und 90.000 Dollar jährlich – sind etwa gleich glücklich wie wohlhabende Amerikaner mit einem Familieneinkommen von über 90.000 Dollar jährlich.

In den meisten Studien über Glück werden die Teilnehmer einfach gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Derartigen Untersuchungen darf man allerdings kein allzu großes Vertrauen entgegenbringen, denn diese allgemeine Beurteilung der „Lebenszufriedenheit “ sagt womöglich nichts darüber aus, wie sehr die Menschen, die Art und Weise, wie sie ihre Zeit verbringen, wirklich genießen.

Mein Kollege an der Universität Princeton, Daniel Kahneman, hat gemeinsam mit anderen Forschern versucht, das subjektive Wohlbefinden der Menschen zu messen, indem er sie in regelmäßigen Abständen über den Tag verteilt über ihre Gemütsverfassungen befragte. In einem am 30. Juni im Magazin Science veröffentlichten Artikel kommen sie zu dem Ergebnis, dass es wenig Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück gibt. Im Gegenteil: Kahneman und seine Kollegen fanden heraus, dass Menschen mit höherem Einkommen mehr Zeit mit Aktivitäten verbringen, die mit negativen Empfindungen wie Spannung und Stress verbunden sind. Anstatt sich Freizeitaktivitäten zu widmen, verbringen sie mehr Zeit bei der Arbeit und auf dem Weg von und zur Arbeit. Sie befanden sich öfter in Gemütszuständen, die sie als unversöhnlich, zornig, ängstlich oder angespannt beschrieben.