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Die Lehren aus der Griechenland-Krise

MÜNCHEN – Nach langem Poker ging es am Ende sehr schnell. Nur eine Woche nachdem das griechische Volk die Bedingungen für neue Kredite in Höhe von 7,5 Mrd. Euro abgelehnt hatte, einigte man sich auf ein drittes Hilfsprogramm in Höhe von 86 Mrd. Euro, einem halben griechischen Bruttoinlandsprodukt. Bis Ende Juni waren zuvor schon 344 Mrd. Euro über die EZB, die Staatengemeinschaft und den IWF an den griechischen Staat und die Banken Griechenlands geflossen. Man war erschöpft, wollte in die Sommerpause und nahm es zum Schluss auch mit den Auflagen nicht mehr so genau. Griechenland war nach Feststellung der EFSF am 3. Juli  offiziell bankrott, wird aber nun doch noch weitergeschleppt.

Damit ist die bislang größte Krise der Eurozone vorläufig beigelegt worden. Wie nie zuvor haben sich die Regierungen Westeuropas verhakelt, beschimpft, beleidigt, gedemütigt, bedrängt und erpresst. Um ein Haar wäre Griechenland aus dem Euro geflogen.

Der griechische Finanzminister Varoufakis hatte, wie er mitteilte, bereits vor einem halben Jahr eine geheime Arbeitsgruppe zur Einführung einer Parallelwährung und Übernahme der griechischen Zentralbank durch die Regierung gebildet. Auch die deutsche Regierung war bereit, sich in das scheinbar Unvermeidliche zu fügen. Hätte nicht Francois Hollande hinter dem Rücken von Kanzlerin Merkel mit der griechischen Regierung verhandelt, hätte die Geschichte einen anderen Verlauf genommen.  

Der Streit hat die Beziehungen zwischen den westeuropäischen Ländern aber auch innerhalb der Regierungen belastet. Man leckt jetzt die Wunden und zähmt seinen Groll. Doch wird es lange dauern, bis der Schock überwunden ist.