Yanis Varoufakis Brookings Institution/Flickr

Die zwei Währungen Griechenlands

ATHEN – Man stelle sich vor, Sparer im US-Bundesstaat Arizona dürften wöchentlich lediglich kleine Summen Bargeld beheben und nur eingeschränkt Geld auf ein Bankkonto in Kalifornien überweisen. Derartige Kapitalverkehrskontrollen– so es jemals dazu käme – würden das Ende des Dollars als einheitliche Währung bedeuten, denn solche Einschränkungen sind mit einer Währungsunion absolut unvereinbar.  

Griechenland bietet heute (wie zuvor Zypern) ein Fallbeispiel dafür, wie Kapitalverkehrskontrollen eine Währung spalten und wirtschaftliche Anreize verzerren. Dieser Prozess gestaltet sich einfach. Sobald Euro-Guthaben einmal im nationalen Bankensystem eingesperrt sind, spaltet sich die Währung in zwei Teile auf: in Bank-Euros (BE) und Papier- oder freie Euros (FE). Und plötzlich entsteht auch ein informeller Wechselkurs zwischen den beiden Währungen.

Man stelle sich einen griechischen Kontoinhaber vor, der eine hohe Summe Bank-Euros in freie Euros konvertieren möchte (um damit etwa medizinische Behandlungen im Ausland zu bezahlen oder Unternehmensschulden an eine Gesellschaft außerhalb Griechenlands zu begleichen). Unter der Annahme, diese Kontoinhaber finden einen Besitzer freier Euros, der auch bereit ist, deren Bank-Euros zu erwerben, entsteht ein beträchtlicher Wechselkurs, dessen Höhe je nach Umfang der Transaktion, der relativen Ungeduld der Bank-Euro-Besitzer und der erwarteten Dauer der Kapitalverkehrskontrollen schwankt. 

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