Paul Lachine

Gute und schlechte Defizite

LONDON – “Defizite sind immer schlecht”, donnern die Haushaltsfalken. Nein, antwortet der strategische Investitionsanalyst H. Wood Brock in einem interessanten neuen Buch mit dem Titel The American Gridlock. Um dies richtig beurteilen zu können, meint Brock, muss man die “Zusammensetzung und Qualität der Gesamtausgaben der Regierung” kennen.

Regierungsdefizite für laufende Dienstleistungsausgaben oder Transferleistungen sind schlecht, weil sie keine Einnahmen bringen und zur Gesamtverschuldung des Landes beitragen. Dagegen sind Defizite für Investitionsausgaben gut – oder können es sein. Wenn sie klug getätigt werden, erzeugen solche Ausgaben einen Strom von Einnahmen, die die Schulden bedienen und schließlich beseitigen. Wichtiger noch ist, dass sie die Produktivität steigern und daher das langfristige Wachstumspotenzial eines Landes verbessern.

Aus dieser Unterscheidung folgt eine wichtige Regel zur Haushaltsführung: Die laufenden Ausgaben einer Regierung sollten normalerweise durch die Steuereinnahmen finanziert werden. Insofern sind die heutigen Bemühungen, Defizite für laufende Ausgaben zu reduzieren, gerechtfertigt, aber nur, wenn sie vollständig durch Investitionsprogramme ersetzt werden. In der Tat sollten die Reduzierung laufender Ausgaben und die Verstärkung der Investitionsausgaben Hand in Hand gehen.

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