0

Globalisierung nach der Krise

WASHINGTON, DC – Die Weltwirtschaft hat gerade eine schwere Rezession überstanden, die von Turbulenzen auf den Finanzmärkten, der umfangreichen Vernichtung von Vermögen und einem Rückgang der Industrieproduktion und des Welthandels geprägt war. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation könnte die anhaltende Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt 2009 zu einem Anstieg der globalen Arbeitslosigkeit um schätzungsweise 39-61 Millionen Arbeitnehmer gegenüber dem Jahr 2007 führen. Am Ende dieses Jahres könnte die weltweite Arbeitslosenzahl zwischen 219 und 241 Millionen liegen – die höchste je aufgezeichnete Zahl.

Unterdessen wird erwartet, dass das globale Wachstum der Reallöhne, das sich 2008 dramatisch verlangsamt hat, 2009 sogar noch weiter sinkt, obwohl es Anzeichen für eine mögliche Erholung der Wirtschaft gibt. In einer Stichprobe von 53 Ländern, für die Daten verfügbar sind, war das mittlere Wachstum der realen Durchschnittslöhne von 4,3 % im Jahr 2007 auf 1,4 % im Jahr 2008 gesunken. Die Weltbank warnt, dass weitere 89 Millionen Menschen infolge der Krise in die Armutsfalle geraten könnten, zusätzlich zu den 1,4 Milliarden Menschen, die nach Schätzungen aus dem Jahr 2005 bereits unter der internationalen Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben.

In diesem Klima ist die Globalisierung heftig in die Kritik geraten, unter anderem auch seitens der Staats- und Regierungschefs von Entwicklungsländern, die stark von ihr profitieren könnten. Präsident Yoweri Museveni, dem weithin Anerkennung für die Integration Ugandas in die Weltmärkte zuteil wird, erklärte, die Globalisierung sei „dieselbe alte Ordnung mit neuen Mitteln der Herrschaft, neuen Mitteln der Unterdrückung, neuen Mitteln der Ausgrenzung“, mit denen die reichen Länder versuchen, sich den Zugang zu den Märkten in den Entwicklungsländern zu sichern.

Dennoch ist die Alternative zur globalen Integration wenig attraktiv. Zwar kann die Abschottung einer Wirtschaft diese vor Schocks schützen, sie kann aber auch zu Stagnation und sogar zu schweren hausgemachten Krisen führen. Aktuelle Beispiele hierfür sind Myanmar und Nordkorea; vor ihrer ökonomischen Liberalisierung saßen China, Vietnam und Indien im selben Boot.