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Auf der Suche nach Wachstumsstrategien

MAILAND – Im Jahr 2008 hat die Wachstums- und Entwicklungskommission unter meinem Vorsitz einen Bericht veröffentlicht, in dem unser Wissen über nachhaltige Wachstumsmuster auf den neuesten Stand gebracht wurde. Damals wie heute ist eines klar: Die Maßnahmen, die die Grundlage von Jahrzehnten hohen Wachstums, Strukturwandels, steigender Beschäftigung, höherer Einkommen und dramatischer Reduzierung der Armut bilden, verstärken sich gegenseitig. Der Effekt jeder einzelnen von ihnen wird durch die anderen verstärkt. Sie sind Zutaten in funktionierenden Rezepten – und ebenso wie bei Rezepten kann das Ergebnis durch fehlende Zutaten erheblich gefährdet werden.

Um die schwachen, verfallenden und empfindlichen Wachstumsmuster der heutigen Zeit in vielen Ländern und der gesamten Weltwirtschaft zu verstehen, müssen wir das, was gerade tatsächlich geschieht, damit vergleichen, wie intelligente und umfassende Wachstumsstrategien aussehen könnten. Natürlich gibt es viele Maßnahmen, die zu hohem Wachstum führen, und in gewissem Umfang sind sie länderspezifisch. Aber alle erfolgreichen Fälle haben einige Schlüsselkomponenten gemeinsam:

Die erste besteht in hohen öffentlichen und privaten Investitionen. In erfolgreichen Schwellenländern umfassen diese 30% oder mehr des BIP. Der Anteil des öffentlichen Sektors (Infrastruktur, Humankapital sowie die Wissens- und Technologiebasis der Wirtschaft) bewegt sich im Bereich von 5-7%. Und die Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors fördern sich gegenseitig: Erstere erhöhen die Rendite und damit den Umfang der letzteren.

Die privaten In- und Auslandsinvestitionen sowie ihre Risiken und Renditen werden durch viele weitere Faktoren beeinflusst. Dazu gehören die Qualifikation der Arbeitnehmer, die Sicherheit der Eigentumsrechte und der damit verbundenen rechtlichen Institutionen sowie die Rahmenbedingungen für geschäftliche Aktivitäten – wie beispielsweise der zeitliche und materielle Aufwand einer Unternehmensgründung und die Flexibilität der Produkt- und Faktorenmärkte (für Arbeit, Kapital und Rohstoffe).