Paul Lachine

Deutschland kann sich (erneut) überzeugen lassen

GENF – Man könnte meinen, die in Zeitlupe ablaufende Staatsschuldenkrise in Europa sei einzigartig, aber dem ist nicht so. Noch vor wenigen Jahrzehnten hat es in Europa den Wechselkursmechanismus (WKM) gegeben, der im Zuge einer Krise zusammengebrochen ist, die große Ähnlichkeiten zu der Krise aufweist, die Europa heute erschüttert. Wird das Ergebnis dieses Mal anders aussehen?

Der WKM war ein Abkommen, mit dem der maximale Schwankungsspielraum der Wechselkurse der meisten europäischen Währungen festgelegt wurde. Doch die Währungspolitik blieb weiter den einzelnen WKM-Mitgliedern überlassen, was, wie nicht anders zu erwarten, gelegentlich zu fiskalischen Ungleichgewichten führte. Wenn Kapitalmärkte ein Problem unter den WKM-Mitgliedern witterten, setzten sie unweigerlich die anfälligste Währung durch so genannte Leerverkäufe unter Druck und trieben die Währungsbehörden des jeweiligen Landes in die Abwertung. Die Behörden leisteten Widerstand, rügten die Spekulanten und gaben sich normalerweise nach einigen turbulenten Tagen geschlagen.

Auch die Entschlossenheit politischer Entscheidungsträger in ansonsten gesunden Ländern wurde durch die Märkte auf die Probe gestellt, wenn es zu großen Streiks oder wichtigen Wahlen kam. In solchen Fällen konnte sogar eine Regierung mit einwandfreien wirtschaftlichen Eckdaten und einer soliden Zentralbank in Schwierigkeiten geraten. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet ist sich dessen sehr wohl bewusst: Anfang der 1990er-Jahre musste er einer solchen Krise als Gouverneur der Bank von Frankreich ins Auge sehen.

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