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Die verborgene Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft

OXFORD – Letzte Woche mahnte die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, dass die Weltwirtschaft entgleisen könnte, wenn Länder nicht gemeinsam agieren. Auch die OECD warnt, dass Länder „dringend kollektive“ Schritte unternehmen müssten, um die globalen Wachstumsaussichten zu verbessern. Doch den Adressaten dieser Appelle, nämlich den Finanzministern und Notenbank-Gouverneuren der G-20, gelang es auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen in Shanghai nicht, sich auf irgendeine derartige Maßnahmen zu einigen. 

Natürlich enthält das nach der Konferenz veröffentlichte Kommuniqué ein Bekenntnis, sämtliche „strategische Instrumente – monetärer, fiskalischer und struktureller Natur – individuell und kollektiv” einzusetzen, um „das Vertrauen zu fördern und die wirtschaftliche Erholung zu erhalten und zu stärken.“  Allerdings zeigen sich in dem gemeinsam verfassten Kommuniqué auch deutliche Trennlinien zwischen den Finanzministern und Zentralbankern - insbesondere hinsichtlich der Rolle von Geld- und Fiskalpolitik zur Konjunkturbelebung.

Im Hinblick auf Geldpolitik begnügt man sich im Kommuniqué mit einer leeren Worthülse, wonach die G-20 „im Einklang mit dem Mandat der Zentralbanken weiterhin wirtschaftliche Aktivität unterstützen und Preisstabilität sicherstellen“ würden. Damit vermied man die zentrale Frage: Sollen Zentralbanken versuchen, das Wachstum durch „unkonventionelle“ Geldpolitik anzukurbeln?

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist nicht dieser Ansicht und argumentiert in ihrem Jahresbericht 2015, dass im Rahmen des Versuchs, das Wachstum wiederzubeleben, „der Geldpolitik viel zu lange zu viel aufgebürdet worden ist“, wobei sich diese Realität in „andauernden außerordentlich niedrigen Zinsen“ äußert. Die Folge ist ein Teufelskreis aus zu hohen Schulden, zu wenig Wachstum und zu geringen Zinssätzen, die „noch niedrigere Zinssätze erzeugen“, um Claudio Borio von der BIZ zu zitieren.