Man folge dem Beispiel des Euro

Die Geschichte des Euro ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Ideen aus der Wirtschaft die öffentliche Meinung prägen und schließlich politische und wirtschaftliche Institutionen neu gestalten. Der 1999 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete Kanadier Robert Mundell beschrieb als erster die Vorteile einer Währungsunion. Dem Projekt, das letztlich zum Euro führte, lagen die Ideen Mundells ebenso zugrunde, wie die Anerkennung der Bedeutung wirksamer Regelwerke für die Wechselwirkung zwischen staatlichen Institutionen, wie den Zentralbanken, und dem Rest der Gesellschaft.

Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) entstand aus dem folgendem, auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinendem Argument, wonach die diskretionäre Macht der Regierungen über Wechselkurse und Finanzmärkte sich umgekehrt proportional zu ihrer Fähigkeit verhalte, auf genau diesen Märkten für Stabilität zu sorgen. Italien ist hierfür ein sehr anschauliches Beispiel: Vor der WWU litt das Land unter hoher Inflation, hohen Zinssätzen und den enormen Kosten der Schuldentilgung, wodurch sowohl die Stabilität der Staatsfinanzen, als auch der Lebensstandard jedes einzelnen Italieners bedroht war.

Nachdem den italienischen Behörden die direkte Kontrolle über Wechselkurse und Zinssätze entzogen war, gab es auch keine hohe Inflation und keine hohen Zinssätze mehr. Daraus ist nicht unbedingt abzuleiten, dass die italienischen Behörden besonders stümperhaft oder unfähig sind. Vielmehr bedeutet es, dass die Regelwerke der europäischen Finanz- und Fiskalpolitik vor der WWU den Anforderungen eines höchst beweglichen Kapitalmarktes, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hatte, nicht mehr gewachsen waren.

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