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Noch mehr Verbrechen und Strafe in Tibet

NEW YORK – China stößt mit seiner harten Behandlung von fast jeder Form von politischem Dissens in Tibet auf breite Kritik. 2008 wurde zum Beispiel ein Tibeter namens Wangdu, ein AIDS-Aufklärer in Lhasa, zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er Tibeter im Ausland über die tibetischen Proteste informierte. Die Logik war klar: Geschützt werden sollte, was die chinesische Staatsführung „Stabilität“ und „Harmonie“ nennt, um die Staatsmacht zu bewahren.

Aber zwei kürzlich eingetretene Ereignisse im Zusammenhang mit den Prozessen zweier führender Tibeter, die den Staat in keiner Weise angegriffen oder kritisiert haben, folgen dieser Logik ganz und gar nicht.

Im ersten Prozess wurde Karma Samdrup, 42, einer der wohlhabendsten Unternehmer in China, von einem Gericht in Xinjiang wegen Diebstahls von Antiquitäten zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren verurteilt. Menschenrechtsgruppen geben zu bedenken, der Vorwurf sei in Wirklichkeit ein Vorwand, da die Polizei die Ermittlungen wegen fehlender Beweise einstellte, als der Fall vor 12 Jahren zum ersten Mal untersucht wurde. Dieses Mal konnten dem Gericht weder Zeugen noch neue Beweismittel präsentiert werden. Trotz einer detaillierten Kritik der Anklage durch zwei chinesische Verteidiger, wurde das Urteil bestätigt, das bereits einige Tage vorher in Beamtenkreisen bekannt geworden war.

Am 3. Juli wurde Karmas älterer Bruder, Rinchen Damdrup, 46, wegen „Gefährdung der Staatssicherheit“ verurteilt. Sein Verbrechen bestand darin, eine kleine Umweltschutzorganisation, die er und sein jüngerer Bruder in ihrem weitab gelegenen Heimatdorf Gonjo in Osttibet ins Leben gerufen hatten, nicht anzumelden. Er wurde für schuldig befunden – die Verurteilungsquote liegt in China um 98 Prozent und in Tibet noch höher, so dass das Urteil nie angezweifelt wurde – und zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt.