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Butter bei die Fische

NEW YORK – In der öffentlichen Politik, in Friedensverhandlungen, im Wahlkampf oder in der Unternehmensstrategie reichen Absichtserklärungen, Versprechungen und Zusagen niemals aus. Sie sind lediglich ein erster Schritt auf dem Weg zum angestrebten Ziel – und vollkommen bedeutungslos, sofern nicht der zweite, dritte und alle weiteren notwendigen Schritte unternommen werden. Zudem werden mit dem ersten Schritt Erwartungen geweckt, die in absehbarer Zeit erfüllt werden wollen: Wird das Vertrauen anderer, dass die nächsten Schritte auch tatsächlich unternommen werden, enttäuscht, besteht die Gefahr, dass ein bestimmtes Ziel, das nicht erreicht wird, den falschen Eindruck hinterlässt, dass dies auf verfehlte (oder irrelevante) Absichten zurückzuführen ist und nicht auf unzureichende Umsetzung. Beispiele hierfür finden sich praktisch überall.

So etwa die Ankündigung der Europäischen Zentralbank vom Januar, dass sie ein milliardenschweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen, im Fachjargon quantitative Lockerung oder QE genannt, beschlossen hat. Zum Zeitpunkt der Ankündigung schienen viele Staats- und Regierungschefs zu glauben, dass der Schritt der EZB ausreichen würde: Ankündigung erfolgt, Geld gedruckt, Volkswirtschaften wieder auf Kurs. Leider funktioniert Geldpolitik nicht auf diese Weise: QE wird nicht reichen, da sollte man sich keine Illusionen machen.

QE ist ein sinnvoller Schritt, um Volkswirtschaften wieder auf Kurs zu bringen, aber nur als Teil eines größeren Maßnahmenpaketes. Ohne andere Wirtschaftsreformen kann QE allein nicht die Veränderungen bewirken, die erforderlich sind, um das Wachstum anzukurbeln. Und wenn die Reformen nicht durchgeführt werden und das Wachstum ausbleibt, werden Politiker wahrscheinlich QE die Schuld zuschreiben, nicht ihrem eigenen Versäumnis alle weiteren Schritte zu unternehmen, die der quantitativen Lockerung auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung folgen müssen.

Wenden wir uns der freien Meinungsäußerung zu. Nach dem Massaker in der Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris im vergangenen Monat, eilten Staatsoberhäupter aus aller Welt zum Schauplatz, hakten einander unter und bekundeten mit einem Trauermarsch ihre Unterstützung für die freie Meinungsäußerung als Grundprinzip zivilisierter Gesellschaften. Für viele von ihnen hätte der logische nächste Schritt darin bestehen sollen, nach Hause zurückzukehren und dieses Grundprinzip umgehend zur Anwendung zu bringen. Stattdessen sind sie nach Hause zurückgekehrt.