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Europas Finanzalchemie

CHICAGO: Es wird allgemein anerkannt, dass ein zentraler Faktor, der der Finanzkrise von 2007-2008 zugrunde lag, die Verbreitung besicherter Schuldverschreibungen, so genannter CDOs, war – jener berüchtigten Anlagen, die Schuldverschreibungen mit schlechtem Rating in solche mit hoher Bonität verwandelten. An der Wall Street haben diese strukturierten Produkte an Popularität eingebüßt; zugleich jedoch haben sie auf der anderen Seite des Atlantiks an Beliebtheit gewonnen.

Schließlich ist die von der Eurozone im vergangenen Mai ins Leben gerufene European Financial Stability Facility (EFSF) die größte je erstellte CDO. Und wie die CDOs wurde auch die EFSF als Methode zur Risikoverringerung vermarktet. Das Ergebnis könnte leider ähnlich sein: dass das gesamte Bankensystem ins Trudeln kommt.

CDOs sind eine Form der Finanzalchemie, bei der eine Zweckgesellschaft das Finanzäquivalent von Blei (hypothekenbesicherte Wertpapiere niedriger Bonität) aufkauft und sich überwiegend mit dem Finanzäquivalent von Gold (hoch geschätzten AAA-Anleihen) finanziert. Diese Verwandlung beruht auf drei Prinzipien; eines davon ist vernünftig, zwei sind fragwürdig.

Das vernünftige Prinzip ist ein Sicherheitsüberschuss. Wenn für eine Anleihe im Wert von 100 Dollar eine Sicherheit von 120 Dollar gestellt wird, ist die Anleihe unbestreitbar sicherer. Wie viel sicherer, hängt allerdings vom Ertrag des Anleihepools ab, aus dem sich die CDO zusammensetzt.