Europas Führungskrise

BRÜSSEL – Die globale Finanzkrise hat bereits die Stärken und Schwächen der Europäischen Union hervorgehoben. Wenn es den Euro nicht gäbe, hätten sich die Erschütterungen der Kernschmelze vom September und Oktober auf die Währungsmärkte ausgeweitet und Spannungen erzeugt, die Europas politische und ökonomische Integration um Jahrzehnte zurückgeworfen und vielleicht das gesamte Projekt gefährdet hätten.

Was wesentlich weniger positiv ist: Die EU-Mitgliedsstaaten haben nur sehr langsam konzertiert gehandelt. Zuerst war es die Europäische Kommission, die Kritik auf sich zog, weil sie nur langsam Vorschläge machte, um die Nationalregierungen und ihre Entscheidungsträger aufzurütteln. Jetzt sind es die Mitgliedsstaaten, die sich der dringenden Notwendigkeit einer koordinierten, EU-weiten politischen Antwort auf die sich vertiefende Krise widersetzen.

Das Tempo und die Heftigkeit des Konjunkturrückgangs sind bei Weitem größer als irgendeiner der Abschwünge der letzten 60 Jahre nach dem Krieg. In Europa haben wir im Großen und Ganzen die Warnsignale der amerikanischen Subprime-Hypothekenkrise, als sie im Spätsommer 2007 ausbrach, nicht beachtet und waren daher unvorbereitet, als die nächste Phase der Krise auch die europäischen Banken befiel. Daraus sollte man die Lehre ziehen, dass die EU sich schneller und mit größerer Entschlossenheit bewegen muss, als das bisher der Fall war.

To continue reading, please log in or enter your email address.

To continue reading, please log in or register now. After entering your email, you'll have access to two free articles every month. For unlimited access to Project Syndicate, subscribe now.

required

By proceeding, you are agreeing to our Terms and Conditions.

Log in

http://prosyn.org/qnEO92X/de;

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated cookie policy and privacy policy.