migrants on beach Dimitrios Chantzaras/ZumaPress

Ungleichheit, Immigration und Scheinheiligkeit

CAMBRIDGE – Europas Migrationskrise deckt einen fundamentalen Fehler, wenn nicht gar übermächtige Scheinheiligkeit in der laufenden Debatte über die wirtschaftliche Ungleichheit auf. Würden wahrhaft progressive Menschen nicht Chancengleichheit für alle Menschen auf diesem Planeten unterstützen statt nur für die wenigen Glücklichen, die in den reichen Ländern geboren und aufgewachsen sind?

Viele Vordenker in den hochentwickelten Volkswirtschaften vertreten eine Anspruchsmentalität, doch der Anspruch endet an der Grenze: Obwohl sie eine größere Umverteilung innerhalb der jeweiligen Länder als absolute Notwendigkeit betrachten, bleiben die Bewohner der Schwellen- und Entwicklungsländer außen vor.

Würde man die aktuellen Sorgen über die Ungleichheit völlig unter politischen Gesichtspunkten betrachten, ließe sich dieser nach innen gerichtete Fokus verstehen; schließlich können Bürger der armen Ländern in den reichen Ländern nicht wählen. Doch ist die Rhetorik innerhalb der Ungleichheitsdebatte in den reichen Ländern von einem moralischen Absolutheitsanspruch gekennzeichnet – der freilich die Milliarden von Menschen in anderen Ländern, denen es viel schlechter geht, bequemerweise ignoriert.

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