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Das Ende der Free-Lunch-Ökonomie

CHICAGO – Eine kluge Wirtschaftspolitik erfordert, stets zwischen einem gewissen Maß an Unannehmlichkeiten in der Gegenwart und größeren Vorteilen in der Zukunft abzuwägen. Allerdings gestaltet sich das vor allem in Demokratien als politisch schwieriges Unterfangen. Für gewählte politische Amtsträger ist es immer einfacher, ihre Wählerschaft unmittelbar zufriedenzustellen, und zwar in der Hoffnung, dass der Tag der Abrechnung erst kommt, wenn sie nicht mehr im Amt sind. Außerdem sind diejenigen, die unter einer politischen Strategie zu leiden haben, nicht unbedingt identisch mit denjenigen, die in Zukunft davon profitieren.

Deshalb haben die fortgeschrittenen Volkswirtschaften von heute Mechanismen geschaffen, die es ihnen ermöglichen, harte Entscheidungen zu treffen, wenn dies notwendig sein sollte. Bei diesen Mechanismen handelt es sich in erster Linie um unabhängige Zentralbanken und obligatorische Obergrenzen für Haushaltsdefizite. Maßgeblich dafür ist, dass politische Parteien einen Konsens darüber erzielen, diese Mechanismen ungeachtet eigener und unmittelbarer politischer Prioritäten zu etablieren und auch dahinter zu stehen. Ein Grund, warum viele Schwellenländer von einer Krise in die nächste schlitterten, besteht darin, dass es ihnen nicht gelang, einen derartigen Konsens zu erzielen. Doch die jüngere Geschichte zeigt, dass auch entwickelte Volkswirtschaften weniger resistent gegen Unannehmlichkeiten werden, weil dieser politische Konsens womöglich auch bei ihnen bröckelt. 

Auf den Finanzmärkten herrscht erneut Volatilität, da man befürchtet, die US-Notenbank Federal Reserve werde ihre Geldpolitik zur Kontrolle der Inflation deutlich straffen müssen. Zahlreiche Anleger hoffen jedoch nach wie vor, dass es die Fed nicht so streng angehen wird, wenn die Vermögenswertpreise deutlich zu sinken beginnen. Sollten sie damit recht behalten, wird eine Normalisierung der finanziellen Bedingungen in Zukunft weit schwieriger werden.

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