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Die Bedrohung untergehender Märkte

WASHINGTON, DC – Es ist an der Zeit, den Aufstieg der Schwellenländer in die richtige Perspektive zu rücken. Das rasche Wirtschaftswachstum in weiten Teilen der Entwicklungsländer seit Beginn dieses Jahrhunderts war von einem Rohstoffboom und übermäßiger Kreditvergabe angetrieben. Doch weil dieser Boom der Schwellenländer nicht von ausreichenden Strukturreformen begleitet war, erwies er sich als nicht nachhaltig.

Heute sind die meisten der wichtigsten Schwellenländer mit einer einschneidenden Schicksalswende konfrontiert. Russland und Brasilien stürzten in schwere Krisen, wobei im letzten Jahr die Kontraktion des BIP im Ausmaß von 4 Prozent von zweistelligen Inflationsraten begleitet war. Südafrika weist kaum noch Wachstum auf. Chinas phänomenale Wachstumsraten haben sich auf unter 7 Prozent eingebremst. Es kommt daher nicht überraschend, dass Goldman Sachs seinen verlustbringenden BRIC-Fonds für Investitionen in Brasilien, Russland, Indien und China geschlossen hat.

Tatsächlich erscheint die Zukunft der BRICS (einschließlich Südafrika) – und anderer Schwellenmärkte – düster. Bei den meisten aufstrebenden Ökonomien außerhalb Asiens handelt es sich im Prinzip um Rohstoffexporteure, die deshalb höchst anfällig gegenüber Preisschocks sind. Aufgrund des einbrechenden Ölpreises hat sich der Wert des Rubels gegenüber dem US-Dollar halbiert und weitere Rückgänge sind wahrscheinlich – insbesondere wenn die US-Notenbank Federal Reserve die Zinssätze weiter anhebt.

Die Rohstoffpreise werden wohl über ein oder zwei Jahrzehnte niedrig bleiben, so wie dies auch in den 1980er und 1990er Jahren der Fall war. Im Hinblick auf Öl beispielsweise erweitern Schiefergas, Schieferöl, Flüssig-Erdgas und die zunehmend wettbewerbsfähige Sonnen- und Windenergie das Angebot, obwohl ein Jahrzehnt hoher Preise zu Energieeinsparungen und sinkender Nachfrage führten.