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Traumhaus ade?

BRÜSSEL – Die Finanzkrise, die 2007 begann, wurde durch die Exzesse auf dem Immobilienmarkt verursacht, die bis ins Jahr 2010 hinein ungelöst blieben – und die Wirtschaft 2011 und danach weiterhin eintrüben werden. Jeder weiß von Amerikas riskanten „Subprime“-Hypotheken (der Begriff „Subprime“, in etwa zweitklassig, sagt schon alles). Doch vergisst man nur zu leicht, dass die Entwicklung dieses Marktes anfänglich begrüßt wurde, da dadurch selbst Menschen, die normalerweise nicht für ein Hypothekendarlehen in Frage kämen, den Besitz eines Eigenheims anstreben konnten. Subprime-Hypotheken ließen den amerikanischen Traum wahr werden.

Selbstverständlich teilen Milliarden von anderen Menschen auf der Welt diesen Traum. Doch ist die Art und Weise, wie die Immobilienfinanzierung organisiert wird, von Land zu Land enorm unterschiedlich, und diese Unterschiede erklären die jüngsten globalen Ungleichgewichte und Finanzcrashs.

In den Industrieländern können durch Baumaßnahmen jedes Jahr nur relativ wenige Wohnungen zum vorhandenen Bestand hinzugefügt werden. Da die Bevölkerungszahlen stagnieren (oder in vielen Teilen Europas und in Japan rückläufig sind), wird der vorhandene Wohnungsbestand unter verschiedenen Bevölkerungsteilen ausgetauscht und normalerweise von den Alten an die Jungen vererbt.

Die Lage ist anders in den Schwellenländern, wo die Quantität und Qualität des vorhandenen Immobilienbestands beklagenswert unzureichend ist. Außerdem stehen die meisten vorhandenen Wohnungen in ländlichen Gebieten, während die meisten Jobs in den Städten sind. Deshalb bedeutet die Urbanisierung einen riesigen Bauboom in den Schwellenländern. China ist wie üblich das extremste Beispiel und derzeit für über die Hälfte des globalen Zementverbrauchs verantwortlich.