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Gutes tun und schlecht damit fahren

KIEL: Das neue Motto in der Unternehmenswelt scheint zu lauten: „Gutes tun und davon profitieren“. Mit anderen Worten: Gesellschaftlich verantwortliches Handeln stärkt den Profit. So erhöht etwa Pepsi seinen Gewinn, indem es sein Angebot auf nahrhaftere, gesünder Lebensmittel umstellt.

Doch in großen Teilen der Welt impliziert profitables Handeln noch immer, dass man nichts Gutes im Schilde führt, insbesondere im Umgang mit den Armen. Ein aktuelles Beispiel ist der komplizierte Streit in Andhra Pradesh in Indien, wo die Regierung Schritte gegen Kleinstkredite eingeleitet hat.

Kleinstkredite haben sich zu einem Lieblingsprojekt der Entwicklungsenthusiasten entwickelt. Wer wäre auch gegen etwas, das so ermutigende Geschichten wie die der Handyfrauen in Bangladesch produziert, die der Armut entkamen, indem sie Kredite zum Kauf von Handys aufnahmen und dann anderen Dorfbewohnern Minuten verkauften?

Es besteht die Gefahr, dass die Vorteile der Kleinstkredite übertrieben werden – so viele erfolgreiche Kleinunternehmen, die die Armen allein mit Hilfe von Krediten starten können, gibt es nicht. Häufig braucht man auch besondere Fertigkeiten und Managementfähigkeiten. Trotzdem sind die Vorteile real: Zwar gibt es kaum Belege, dass Kleinstkredite einer größeren Zahl von Menschen den Weg zu Reichtum ebnen. Aber sie erleichtern es den Armen, zu sparen, glätten den Konsum, helfen bei der Bewältigung von Notfällen und tragen zur Ausweitung bestehender Kleinunternehmen bei.