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Haben die Zentralbanken eine Ausstiegsstrategie?

SINGAPUR – Ein Jahr nach der globalen Finanzkrise sind mehrere wichtige Zentralbanken den wackeligen privaten Finanzsektoren ihrer Länder immer noch außerordentlich schutzlos ausgesetzt. Bislang war die Strategie sinnvoll, die Finanzsysteme mit der Ernährungssonde der durch den Steuerzahler garantierten kurzfristigen Kredite am Leben zu erhalten. Doch müssen die Zentralbanken am Ende den Stecker ziehen. Andernfalls landen sie selbst auf der Intensivstation, sollten die Kreditverluste in ihren Bilanzen Überhand nehmen.

Die Vorstellung, die größten Wirtschaftsnationen der Welt seien lediglich mit einer kurzfristigen Panik konfrontiert, wirkt zusehends unrealistisch. Stattdessen wird langsam deutlich, dass die Finanzbranche nach einer Zeit der großartigen Profite und Wachstumsschübe nun eine Zeit der Konsolidierung und Kürzungen erleiden muss. Schwache Banken müssen zusammenbrechen oder fusionieren dürfen (wobei die normalen Kontoinhaber von den staatlichen Versicherungsfonds ausbezahlt werden), damit die starken Banken mit neuer Kraft aus der Krise hervorgehen können.

Wenn dies die richtige Diagnose für die „Finanzkrise“ ist, dann werden die Versuche, eine gesunde und normale Dynamik aufzuhalten, das Problem lediglich verlängern und verschärfen. Lässt man die notwendige Konsolidierung nicht zu, so schwächt man die Kreditmärkte, anstatt sie zu stärken.

Die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of England sind besonders stark betroffen. Zusammen haben sie traditionellen Banken sowie komplexen, unregulierten „Investment-Banken“ kurzfristige Darlehen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar gewährt. Viele andere Zentralbanken beobachten die Situation nervös und sind sich vollkommen darüber im Klaren, dass sie sich bald selbst in derselben Lage befinden könnten, wenn die Weltkonjunktur weiter zurückgeht und die Verzugszinsen auf alle Schuldenarten weiter steigen.