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Das System funktioniert

MEDFORD, MASSACHUSETTS – Während das jüngste G-20-Treffen der Finanzminister in Cairns, Australien, beginnt, sind die üblichen Schwarzmaler wieder nicht weit. Sie sind der Ansicht, das „System“ – die globalen Verwaltungsstrukturen von der Welthandelsorganisation über die G-20 bis hin zu den großen Zentralbanken – sei schwer beschädigt und dringend reparaturbedürftig. Tatsache ist dagegen, dass die Weltwirtschaftsordnung seit 2008 erstaunlich gut funktioniert hat.

Sicherlich war das erste Jahr der Großen Rezession schlimmer als das erste Jahr der Großen Depression. Aber trotz dieses anfänglichen Schocks reagierte das System auf eine überraschend geschickte Weise. Verglichen mit früheren durch eine Finanzkrise ausgelösten Einbrüchen hat sich die Weltwirtschaft kräftig erholt. In den meisten Ländern haben Handel und Produktion ihr Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten, und die weltweite Armut ist weiterhin massiv auf dem Rückzug.

Ein Schlüssel für diese Erholung war, dass im Gegensatz zu den 1930ern die Weltwirtschaft ihre bestehenden Bedingungen beibehalten konnte: Die Handelsbarrieren und die Hindernisse für ausländische Direktinvestitionen blieben niedrig, und mit dem Internet weiteten sich auch die grenzüberschreitenden Warenflüsse aus.

Wie das McKinsey Global Institute bemerkt, sind die weltweiten globalen Ströme mit Ausnahme der grenzüberschreitenden Finanzierung wieder so robust wie vor der Krise. Es fand sogar eine teilweise Überarbeitung führender globaler Institutionen statt, vom Aufstieg der G-20 bis hin zur Reform des Internationalen Währungsfonds. Tatsächlich machen sich einige Beamte der Fed über die Widerstandsfähigkeit der Märkte gegenüber geopolitischen Spannungen in der Ukraine oder im südchinesischen Meer sogar Sorgen.