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Grenzübergreifendes Banking in der Schwebe

LONDON: Die Schwere der Krise in der Eurozone ist endlich allen klar. Es könnte nicht mehr auf dem Spiel stehen. Regierungen und internationale Finanzinstitute haben sich zusammengerauft und innerhalb außerordentlich enger politischer und wirtschaftlicher Spielräume eine Lösung geschnürt. Viele Fragen zur Konzeption sind nach wie vor offen; die Umsetzung wird zumindest ebenso schwierig werden.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone müssen jetzt darauf hinarbeiten, nicht nur die gemeinsame Währung zu retten, sondern auch die Vorteile der europäischen Finanzintegration. Keine Region auf der Welt hat stärker vom grenzübergreifenden Banking profitiert, aber jetzt ist das Erreichte in Gefahr – und mit ihm die europäischen Bankenkonzerne selbst.

Die Bedrohung für die grenzübergreifend agierenden Banken rührt nicht allein von den angesichts der niedrigeren Qualität der Staatsschulden und schwächeren Wachstumsaussichten schrumpfenden Bilanzen her, sondern auch von der Reaktion der Politik selbst. Dass Europas Banken enorme Mengen an frischem Kapital brauchen, ist inzwischen allgemein akzeptiert. Doch trotz beherzter Anstrengungen der neuen Europäischen Bankaufsichtsbehörde, die erforderlichen Maßnahmen anzuordnen und zu koordinieren: Eine europäische Lösung muss das europaweite Netz ausländischer Tochtergesellschaften berücksichtigen.

Unterstützung für die europäischen Banken zu mobilisieren wird schwer, sie auf Tochtergesellschaften auszuweiten noch schwerer. Doch anders als das unkluge Engagement in Staatsanleihen überall in Europa war das grenzübergreifende Banking durch ausländische Tochtergesellschaften für die Anleger und für die Heimat- und Gastländer gleichermaßen segensreich – und dies nirgends mehr als in den Schwellenländern Mittel- und Osteuropas, die nach wie vor den wichtigsten Exportmarkt der Eurozone bilden.