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Chinas Fünfjahresplan und die globalen Zinssätze

CAMBRIDGE – Chinas neuer Fünfjahresplan wird bedeutsame Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Sein Hauptmerkmal ist ein Umschwenken der offiziellen Politik von der Maximierung des BIP-Wachstums auf die Steigerung von Verbrauch und Lebensstandard des durchschnittlichen Arbeiters. Obwohl diese Veränderung von innenpolitischen Überlegungen in China angestoßen wurde, könnte sie bedeutende Auswirkungen auf die globalen Kapitalflüsse und Zinssätze haben.

Chinas hohes BIP-Wachstum im letzten Jahrzehnt hat selbstverständlich die realen Einkommen von Hunderten Millionen von Chinesen steigen lassen, insbesondere von denjenigen, die in oder in der Nähe von urbanen Gebieten wohnen. Zudem haben die Finanzmittel, die Arbeiter aus der Stadt an ihre im landwirtschaftlichen Sektor verbliebenen Verwandten schicken, dazu beigetragen, auch deren Lebensstandard zu verbessern.

Doch sind die Reallöhne und der Verbrauch langsamer gewachsen als Chinas Gesamt-BIP. Ein Großteil der durch das BIP-Wachstum generierten Einnahmen ging an große staatseigene Unternehmen, was ihre Monopolmacht gestärkt hat. Und ein beträchtlicher Anteil der chinesischen Produktion geht ins Ausland: Die Exporte übersteigen die Importe so stark, dass im letzten Jahr ein Leistungsbilanzüberschuss von über 350 Milliarden USD erwirtschaftet wurde.

China plant nun, die relative Wachstumsrate der Reallöhne zu steigern und höhere Verbraucherausgaben zu fördern. Auch wird die Betonung stärker auf dem Ausbau der Dienstleistungsbranchen liegen und weniger auf der Produktion. Staatseigene Unternehmen werden gezwungen sein, einen größeren Anteil ihrer Gewinne zu verteilen. Der steigende Wert des Renminbi wird die chinesischen Hersteller dazu bewegen, ihren Schwerpunkt von den Exportmärkten auf die Produktion für die heimischen Märkte zu verlagern. Zudem wird die Regierung mehr für Wohnungen für Geringverdiener und für den Ausbau des Gesundheitswesens ausgeben.