0

Chinas Stabilitätsdoktrin

LONDON – Seit zwei Jahrzehnten leitet das Konzept des „friedlichen Aufstiegs“ des Landes die chinesische Diplomatie. Nun braucht China jedoch eine neue strategische Doktrin, denn der bemerkenswerteste Aspekt von Sri Lankas jüngstem Sieg über die Tamil Tigers lag nicht in der überwältigenden Tatsache selbst, sondern darin, dass China Präsident Mahinda Rajapaksa sowohl die militärische Versorgung als auch die diplomatische Deckung gab, die er brauchte, um den Krieg weiterzuführen.

Ohne diese chinesische Unterstützung hätte Rajapaksas Regierung weder die notwendigen Mittel noch den Willen gehabt, bei ihrer Offensive gegen die Tiger die Meinung der Weltöffentlichkeit zu ignorieren. China hat also nicht nur zentrale Bedeutung für jeden Aspekt des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems erlangt, es hat jetzt auch seine strategische Leistungsfähigkeit in einer Region gezeigt, die traditionell außerhalb seiner Einflusssphäre lag. Auf den Schlachtfeldern an Sri Lankas Küste wurde Chinas „friedlicher Aufstieg“ vollendet.

Was wird diese Veränderung in der Praxis in den Krisenregionen der Welt wie Nordkorea, Pakistan und Zentralasien bedeuten?

Bevor die globale Finanzkrise einsetzte, profitierte China kräftig von dem lang anhaltenden Boom an seiner östlichen und südlichen Grenze, wo nur Birma und Nordkorea für Instabilität sorgten. Chinas Westen und Süden geben jedoch immer mehr Anlass zur Besorgnis.