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Der asiatische Multilateralismus

NEW YORK – Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank veranstalten bald ihre Jahrestreffen, aber die großen Nachrichten der globalen Wirtschaftspolitik kommen derzeit nicht aus Washington DC. Es gab sie vielmehr schon im letzten Monat, als Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien gemeinsam mit über 30 weiteren Ländern als Gründungsmitglieder der Asiatischen Investitionsbank für Infrastruktur (AIIB) beitraten. Die 50 Milliarden Dollar schwere AIIB unter der Leitung Chinas wird sich um den enormen Infrastrukturbedarf Asiens kümmern, dessen Finanzierungsbedarf weit über die Kapazität der heutigen institutionellen Abkommen hinaus geht.

Man könnte meinen, jeder würde sich über die Gründung der AIIB und ihre Unterstützung durch so viele Regierungen freuen. Und auf den IWF, die Weltbank und viele andere traf dies auch zu. Merkwürdig war allerdings, dass die USA auf die Beitrittsentscheidung der reichen europäischen Länder sehr ungehalten reagierte. Eine nicht genannte amerikanische Quelle beschuldigte Großbritannien, gegenüber China „ständig Zugeständnisse“ zu machen. Und die Vereinigten Staaten setzen Länder in aller Welt heimlich unter Druck, der Bank fernzubleiben.

Tatsächlich steht der US-Widerstand gegen die AIIB im Widerspruch zu den offiziellen wirtschaftlichen Prioritäten des Landes. Leider scheint die Unsicherheit der USA über ihren weltweiten Einfluss erneut ihre idealistische Rhetorik zu übertrumpfen – und dieses Mal verpasst das Land damit vielleicht eine wichtige Gelegenheit, die asiatischen Schwellenländer zu stärken.

China selbst ist ein Beispiel dafür, wie sehr Investitionen in Infrastruktur zur Entwicklung beitragen können. Im letzten Monat habe ich ehemals abgelegene Gegenden des Landes besucht, die durch solche Investitionen und die daraus resultierende bessere Anbindung – und damit den freieren Fluss von Menschen, Waren und Ideen – zu Wohlstand gekommen sind.